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„Speed-Dating“: Politische Bildung einmal anders

09. April 2017

Speed-Dating in Alsdorf mit Moritz Körner (FDP)
Moritz Körner, Landesvorsitzender der Jungen Liberalen NRW, vertrat die Freien Demokraten beim Speed-Dating in Alsdorf. Foto: Marius Hoppe

Alsdorf. Es war ein politischer Abend, der eigentlich alles zu bieten hatte: Gespräche, Stimmabgaben, Einbußen und Erfolge. Eine Landtagswahl, runtergebrochen auf rund zwei Stunden, wenn man so will: Prognose, Wahlkampf und Wahl. Mit einer SPD als Verlierer des Abends, der Linken und der FDP, die Stimmen dazugewinnen konnten, und einer CDU, die konstant viele Stimmen bekam.

Aber von vorne: Mehr als 70 Schüler des Gymnasiums der Stadt Alsdorf hatten sich in der Aula ihrer Schule eingefunden, um an einem „Speed-Dating“ teilzunehmen. Nur, dass es hierbei nicht um die Partnersuche ging, sondern um politische Bildung. In Runden à sieben Minuten hatten die Schüler der Klassen 8 und 9 und der Oberstufe die Möglichkeit, mit Politikern ins Gespräch zu kommen und diese mit Fragen zu löchern.

Schüler geben ihre Stimme ab

Der Clou an der Sache: Symbolisch haben die Schüler während der Veranstaltung jeweils zweimal für eine der Parteien ihre Stimme abgegeben. Einmal vor und einmal nach den Gesprächen mit den Politikern.

Für die SPD hat sich die Landtagsabgeordnete Eva-Maria Voigt-Küppers diesem Experiment gestellt, Landtagsabgeordneter Hendrik Schmitz kam für die CDU, Matthias Bolte, ebenfalls aus dem Landtag NRW, hat die Grünen vertreten, Moritz Körner kam als Verterter der FDP, beziehungsweise der Jungen Liberalen, für die Linke war der Aachener Marc Treude dabei.

Von einer technischen Panne zu Beginn ließen sich die Verantwortlichen nicht aus dem Konzept bringen. Denn, wie der stellvertretende Schulleiter Martin Wüller bekanntgab, hatte das Internet ausgerechnet an diesem Tag Ofden verlassen. Die Stimmabgabe, die eigentlich digital erfolgen sollte, wurde kurzerhand „analog“ durchgeführt. Nachdem die Schüler einen Chip in eine der fünf aufgestellten „Wahlurnen“ geworfen hatten und die Kandidaten die Gelegenheit bekommen hatten, sich kurz vorzustellen, ging es los.

Jeder der Politiker bekam einen Stehtisch zugewiesen, um den sich die Schülergruppen dann versammelten. Bei einigen der Kandidaten wurde schnell deutlich, welches Thema sie sich auf die Fahne geschrieben hatten. CDU-Politiker Schmitz beispielsweise betonte in der Vorstellungsrunde, dass ihm die Innere Sicherheit am Herzen liege, gerade hier in der Grenzregion. Treude von der Linken hatte Anti-Atomkraft-Flyer und Infobroschüren mitgebracht.

Das Ertönen einer Glocke war das Zeichen dafür, dass die ersten sieben Minuten liefen. Einige Gruppen gingen eher zaghaft an die Sache ran, andere waren forscher. „Wie stehen Sie zu G8 und G9?“ war eine der Fragen, die öfter zu hören war. Bolte von den Grünen beispielsweise sprach sich für eine flexible Eingangsphase in der Grundschulzeit aus. Kindern werde dabei individuell die Zeit zugesprochen, die sie brauchten. Aber auch der demografische Wandel in Deutschland und die Rente beschäftigten die Schüler.

Speed-Dating in Alsdorf
Einer der „geprüften“ Kandidaten für den Landtag: CDU-Politiker Hendrik Schmitz aus Baesweiler bekam im ersten Durchgang 29 der insgesamt 71 symbolischen Stimmen der Schüler, im zweiten Durchgang 24. Foto: Leandra Kubiak

Bei den Politikern kam die Veranstaltung durchweg gut an. „Eine solche Initiative ist wichtig“, meinte Treude. „Das ist ein Gespräch auf Augenhöhe.“ „Es ist wichtig, den Kontakt zu den jungen Leuten zu suchen“, so auch Eva-Maria Voigt-Küppers. Überrascht sei sie davon gewesen, dass viel zu den Themen soziale Gerechtigkeit und Rente gefragt worden sei, sagt die SPD-Politikerin. Sie hätte erwartet, dass es mehr um Schulpolitik ginge.

Fazit der Veranstaltung: Linken-Politiker Treude konnte sich nach den Gesprächen von zunächst einer Stimme auf 14 steigern, FDP-ler Moritz Körner schaffte es von null Stimmen auf elf und nahm es gelassen: „Naja, immerhin konnte ich ja keine Stimmen verlieren.“ Bolte von den Grünen bekam zunächst neun, später noch sieben Stimmen. SPD-Politikerin Voigt-Küppers fiel von starken 32 Stimmen auf 17 und Hendrik Schmitz konnte sich über gute 29, beziehungsweise 24 Stimmen freuen.

André Esser, Kreisjugendleiter der Deutschen Beamtenbund-Jugend (DBB) Aachen, war durchweg positiv überrascht von dem Abend. Das Programm wurde vom Gymnasium und dem DBB in Kooperation gestaltet. 2012 habe es die Zusammenarbeit schon einmal gegeben, sagt Esser. Diesmal seien aber mehr Schüler dabei gewesen und das Interesse sei nach seinem Eindruck deutlich größer gewesen.

An einer anderen Schule im Nordkreis wurde eine solche Veranstaltung bisher nicht angeboten. Das sei eigentlich schade, findet Esser. Für Schulen, die Interesse daran hätten, sei die DBB-Jugend offen. Und auch am Gymnasium in Alsdorf hofft er auf eine Fortsetzung in fünf Jahren. Eben dann, wenn die nächste Landtagswahl ansteht.

von Leandra Kubiak
Aachener Zeitung, 07.04.2017

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