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U18-Wahl: Politik geht auch Jugendliche etwas an

07. September 2017

Um Unter-18-Jährige für Politik zu sensibilisieren, stehen Politker im Jugendzentrum St. Peter und Paul Rede und Antwort zu ihren Fragen

U18-Wahl - Politik geht auch Jugendliche etwas an
Nahmen auf dem „heißen Sofa“ Platz und beantworteten zahlreiche Fragen von Jugendlichen: Florian Weyand, Catarina Dos Santos, Frank Schniske, Gabi Halili, Thomas Schlenter, Gabriele Pieta, Dietmar Schultheis, Lukas Greven und Julian Krichel. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Politik? Irgendwie nicht ganz unwichtig. Aber sich selbst engagieren? Wie geht das überhaupt? Macht es Sinn? Kann ich denn überhaupt etwas verändern? Und wofür stehen eigentlich Politiker und Parteien? Fragen, die sich vor allem Jugendliche stellen.

Im Vorfeld der Bundestagswahl am 24. September veranstaltet der Stadtjugendring im Zeitraum vom 10. bis zum 15. September die U18-Wahl. Am Montagnachmittag boten die Verantwortlichen um Inke Ahns und Armin Mannich nun den möglichen zukünftigen Wählern die Gelegenheit, mit Politikern ins Gespräch zu kommen. Unter der Überschrift „Auch Du hast eine Stimme!“ nahmen neun politisch tätige Menschen unterschiedlicher Parteien und Altersstufen Platz auf dem „heißen Sofa“ des Jugendzentrums St. Peter und Paul, um zu diskutieren sowie Rede und Antwort zu stehen.

Mit Gabi Halili (Die Linke) und Frank Schniske (FDP) waren zwei Personen vor Ort, die sich am 24. September als Direktkandidaten ihrer Parteien für ein Bundestagsmandat bewerben. Den Rat der Stadt Eschweiler und dessen Ausschüsse repräsentierten Dietmar Schultheis (SPD), Thomas Schlenter (CDU) sowie Gabriele Pieta (Bündnis90/Die Grünen). Für die junge Generation, die sich politisch ehrenamtlich engagiert, stand ein Quartett mit Catarina Dos Santos, Florian Weyand (beide Junge Union), Lukas Greven (Jusos) sowie Julian Krichel (Julis) den Jugendlichen zur Verfügung.

Im Vorfeld der Veranstaltung hatte die Arbeitsgruppe „Wahlen“ der Mobilen Jugendarbeit Fragen gesammelt, die jungen Menschen auf den Nägeln brennen und am Montagnachmittag von den Moderatoren Lara Prilop, Daleen Knörchen, Alexander Mertens, Niclas Harzheim sowie Tim Siegers den Politikern gestellt wurden. Die Themenvielfalt war groß und reichte von Bildung und Gleichberechtigung über die Flüchtlingssituation bis zum Umwelt- und Tierschutz.

Den Politikern wurden jeweils 45 Sekunden (plus zwei Joker) Zeit gewährt, Antworten zu geben. Es ging also Schlag auf Schlag. Dabei wurden Gemeinsamkeiten, aber natürlich auch Unterschiede in den Ansichten und Meinungen der Befragten deutlich. Das Vorurteil, Politik sei heutzutage ausschließlich „Einheitsbrei“ und es spiele keine Rolle, ob und wen man wähle, wurde im Verlauf der gut eineinhalb Stunden widerlegt.

Deutliche Kritik an der gesamtgesellschaftlichen Entwicklung äußerte vor allem Gabi Halili, die sich in die Zeit der 70er- und 80er Jahre zurückwünscht. Damals sei zwar nicht alles, aber vieles besser gewesen: „Es hat keine flächendeckend prekären Arbeitsverhältnisse gegeben“, erklärte die Linke, die die Bildungspolitik der vergangenen 20 Jahre für ein Desaster hält. „Statt in Bildung zu investieren, ist sie kaputtgespart worden.“ Darüber hinaus sei die Digitalisierung natürlich ein Zukunftsthema, doch würden durch sie unzählige Arbeitsplätze „obsolet“.

Und wo die politische Reise hingehen solle, machten die zahlreichen Großspenden in Richtung der Union sowie der FDP deutlich. Eine Aussage, die Thomas Schlenter enorm verärgerte: „Wenn sie damit andeuten wollen, dass Stimmen gekauft würden, dann halte ich dies für eine unerträgliche Äußerung“, so der Vorsitzende des CDU-Stadtverbands. Frank Schniske erwiderte, dass die Digitalisierung die Arbeitswelt verändern, aber eben auch zahlreiche neue Arbeitsplätze schaffen werde. Für ihn ist in Sachen Bildungspolitik der Föderalismus nicht mehr zeitgemäß.

Stattdessen sei es unerlässlich, den Bund viel stärker ins Boot zu holen. „Nordrhein-Westfalen konkurriert nicht mit Bayern, sondern unter anderem mit China“, so die Begründung des Liberalen. Dietmar Schultheis nannte die Behauptung von Gabi Halili, es werde kein Geld in Bildung investiert, schlicht Unsinn. „Alleine in Eschweiler sind in den zurückliegenden 15 Jahren rund 70 Millionen Euro in die Schulen geflossen“, so der Sozialdemokrat.

Für Gabriele Pieta ist Bildungsgerechtigkeit ohne Integration und Inklusion undenkbar. Auf die Frage, wie Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern konkret hergestellt werden könne, antwortete die Grüne eindeutig: „Indem zunächst einmal die Regel gleicher Lohn für gleiche Arbeit eingeführt wird!“

Zum Thema Flüchtlinge bekannte sie, nicht sagen zu können, wo die Grenze der Aufnahmekapazitäten Deutschlands liege. „Ich weiß aber, dass man Flüchtlinge nicht aufnehmen kann, um sie dann alleine zu lassen und der Bürokratie auszusetzen.“ Über eine Zahl als Obergrenze zu diskutieren sei „unwürdig und nicht menschlich“. Eine Aussage, die Catarina Dos Santos von der Jungen Union teilt und somit dem bayrischen Partner ihrer Partei widerspricht. „Ich lehne eine Obergrenze konsequent ab.“ Stattdessen müssten bürokratische Hürden abgebaut werden.

Lukas Greven plädiert dafür, legale Einwanderung nach Deutschland zu erleichtern. „Unsere Gesellschaft ist stark genug, weitere Menschen aufzunehmen“, so der Juso. Für den Jungliberalen Julian Krichel ist die Schaffung klarer Regeln in der Flüchtlingsfrage alternativlos. „Wir müssen wissen, wer sich in Deutschland aufhält!“

Bundestagskandidat Frank Schniske betonte in Richtung der Jugendlichen, das politisches Engagement zunächst einmal im Ehrenamt erfolge. „Erst ab einem Landtagsmandat wird daraus ein Beruf.“ Die Vorstellung, dass der Schritt in die Politik erfolge, um damit reich zu werden, sei falsch.

Einigkeit herrschte bei den Politikern auf dem Podium, als die Aufgabe abschließend lautete, den Jugendlichen einen Ratschlag mit auf den Weg zu geben. „Bringt euch ein in die Gesellschaft. Engagiert euch im Ehrenamt. Dies kann, muss aber nicht zwingend in einer Partei geschehen“, so Florian Weyand.

Mit einem anschließenden gemütlichen Beisammensein am Grill ging die Auftaktveranstaltung der U18-Wahl zur Bundestagswahl 2017 zu Ende. Ein gutes Format, das jedoch auch zeigte, dass es von Seiten der Jugendlichen in Richtung Politik Berührungsängste gibt. Denn mit wenigen Ausnahmen, die den Weg in die erste Reihe suchten, hielten sich die meisten der jungen Zuhörer im hintersten Teil des großen Saals des Jugendzentrums St. Peter und Paul auf.

Um das Interesse von Bald-Wahlberechtigten an Politik zu wecken, sind dicke Bretter zu bohren. Eine Aufgabe für die gesamte Gesellschaft. „Wir wollen unseren Teil dazu beitragen“, so Inke Ahns vom Stadtjugendring abschließend.

von Andreas Röchter
Eschweiler Zeitung, 07.09.2017

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