FDP Kreisverband Aachen-Land

Suche...

Gesundheits- und Pflegeschüler diskutieren mit Bundestagskandidaten

12. September 2017

Podiumsdiskussion im Würselener Rhein-Maas-Klinikum. Thematisiert wurden aktuelle Personalengpässe in der Pflege, das sinkende Rentenniveau und Maßnahmen zur Steigerung der Ausbildungsqualität in der Pflege.

Podiumsdiskussion zur BTW 2017 im Würselener Rhein-Maas-Klinikum
Sie setzen sich für mehr Personal in den Krankenhäusern ein und wollen die Kandidaten in die Pflicht nehmen: Tim Mertens (v.l.), Dominik Künkels, Alime Congar, Gizem Akyayla, Dennis Kurz und Maike Vieten. Foto: Michael Grobusch

StädteRegion. Nein, seine Wahlentscheidung wird er nach dieser Podiumsdiskussion nicht revidieren. „Die Kandidaten waren durchweg sympathisch, mit ihnen allen würde ich ein Bier trinken gehen“, resümiert Dominik Künkels. Doch es fehlen ihm die verbindlichen Aussagen: „Die haben das geschickt gemacht und ihre persönliche Meinung formuliert. Doch am Ende zählt, was ihre Parteien umsetzen.“

Dominik Künkels (21) ist Vorsitzender der Jugend- und Auszubildendenvertretung am Rhein-Maas-Klinikum in Würselen und hat am gestrigen Dienstag eine von ihm mitinitiierte, doppelte Premiere erlebt. Denn erstmals fand in Zusammenarbeit mit der Gewerkschaft Verdi ein ganzer Tag für die derzeit rund 120 Auszubildenden der Einrichtung statt. Und auch die persönliche Auseinandersetzung mit politischen Direktkandidaten hatte es bis dato noch nicht gegeben.

Frank Schniske (FDP), Gabi Halili (Linke), Alexander Tietz-Latza (Grüne) und Claudia Moll (SPD) waren der Einladung gefolgt. Sie alle bewerben sich für den Deutschen Bundestag und hoffen am 24. September auch auf die Stimmen der Gesundheits- und Pflegeschülerinnen und Pflegeschüler.

Allerdings hatten sie bei diesen einen schweren Stand. Zu sehr, das wurde sehr schnell deutlich, setzen den jungen Menschen schon jetzt die aus ihrer Sicht schlechten Rahmenbedingungen zu. „Was ich in der praktischen Arbeit erlebe, macht mich traurig und wütend“, berichtet Alime Congar von der Jugend- und Auszubildendenvertretung im Gespräch mit unserer Zeitung. Für sie ist die Pflege „kein Beruf, sondern eine Berufung. Aber eben auch ein Beispiel dafür, wie es im Beruf nicht laufen darf“, stellt die 22-Jährige, die im dritten Ausbildungsjahr ist, fest.

Das klingt wie ein Hilferuf, doch Alime Congar ist von Verzweiflung weit entfernt: „Meine Überzeugung, dass wir etwas ändern können, ist groß.“ Zum Beispiel bei der Praxisanleitung. „Sie wird vernachlässigt. Die Auszubildenden werden auf der einen Seite nicht vernünftig eingearbeitet und auf der anderen Seite als vollwertige Kräfte eingeplant.“ Oder: „Im Nachtdienst ist eine einzige Kollegin für bis zu 35 Patienten zuständig.“ Um nicht falsch verstanden zu werden, ergänzt die Auszubildende: „Die Rhein-Maas-Klinikum gehört sicherlich noch zu den besseren Arbeitgebern.“

Das kann Dennis Kurz nur unterstreichen: „Es geht hier nicht darum, eine einzelne Einrichtung an den Pranger zustellen. Wir kritisieren die grundsätzlichen Zustände, die in jedem Krankenhaus nicht nur in der Städteregion, sondern in ganz Deutschland herrschen, weil viel zu viel beim Personal gespart wird“, betont der Verdi-Jugendsekretär. Besagte Zustände bringt er in einem Wort auf den Punkt: „Pflegenotstand“.

Die Auszubildenden wollen sich an diesem Tag aber nicht nur beklagen. Sie formulieren gemeinsam mit dem Verdi-Vertreter auch klare Forderungen, die sie den Kandidaten mit auf den Weg geben. „Wir alle brauchen mehr Personal im Krankenhaus, das Zeit hat, um Hygienevorschriften, Pausen- und Ruhezeiten einzuhalten und Auszubildende vernünftig anzuleiten“, meint Kurz. „Deshalb müssen bundesweit 160.000 zusätzliche Stellen geschaffen werden.“

Vehement war bei der Podiumsdiskussion die Einführung einer gesetzlichen Personalbemessung angemahnt worden. Der stehen die Kandidaten, das beteuerten sie, durchaus positiv gegenüber. Aber: „Die Parteiprogramme von FDP und CDU sehen das nicht vor, und die Formulierungen bei der SPD sind sehr schwammig“, bemängelt Dominik Künkels. Eine hohe Glaubwürdigkeit attestiert er hingegen Gabi Halili und Alexander Tietz-Latza in diesem Punkt. „Denn ihre Parteien haben die Personalbemessung in ihren Programmen festgehalten.“

Persönlich einsetzen für eine entsprechende Gesetzesänderung wollen sich die Bundestagskandidaten nach eigener Aussage alle, wenn sie denn am übernächsten Sonntag gewählt werden sollten. „Wir werden sie beim Wort nehmen“, kündigt Dennis Kurz an. Das soll auch in einem anderen Punkt so sein, bekräftigt Alime Congar: „Die Kandidaten von FDP, Linken und Grünen haben uns zugesagt, dass sie ein dreitägiges Praktikum in der Krankenpflege machen werden . . .“

von Michael Grobusch
Aachener Zeitung, 13.09.2017

drucken

zurück

„Unsere Zukunft ist Europa – eine andere haben wir nicht.“
(Hans-Dietrich Genscher)