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Jugendliche fühlen Politikern bei „Food & Talk“ auf den Zahn

14. September 2017

Vor allem an Tisch Nummer 5 wird es richtig heiß. Bei „Ja-oder-Nein-Fragen“ tun sich die Kandidaten sehr schwer.

Jugendliche fühlen Politikern bei „Food & Talk“ auf den Zahn
Wenn jugendliche Realität auf potenzielle Bundestagsabgeordnete trifft: die Teilnehmer der politischen Talkrunde. Foto: Paul Santosi

Eschweiler. Mit dem klaren Kurs auf die bevorstehenden Bundestagswahlen wächst die Zahl der Veranstaltungen, mit denen vornehmlich junge Menschen an die Tatsache herangeführt werden sollen, dass ihnen in einer demokratischen Gesellschaft ein Wahlrecht zusteht.

Eine davon war „Food & Talk“ am vergangenen Mittwoch im Haus Lersch an der Dürener Straße. Die mittlerweile vierte Auflage einer Gesprächsrunde zwischen jungen Wählern einerseits sowie Bundestagsabgeordneten aus dem Kreis auf der anderen Seite, entstand aus den regelmäßigen Treffen von Bürgermeister Rudi Bertram mit Vertretern weiterführender Schulen.

Prinzipiell eine absolut gute Idee, findet Olaf Tümmeler, Abteilungsleiter des Jugendamtes und Mitorganisator der Veranstaltung: „Die Jugendlichen kennen ansonsten nur anonyme Gesichter auf Wahlplakaten. Hier in der Talkrunde entdecken sie, dass sich dahinter tatsächlich Menschen mit Ideen und Standpunkten verbergen, die man direkt mit der eigenen Meinung konfrontieren kann.“

Das fand auch Bürgermeister Bertram: „Hier stehen Sachthemen im Vordergrund. Es ist gut, wenn sich Demokraten am Tisch politisch bekämpfen. Diese Runde ist eine Erfahrung, vor der niemand flüchten kann.“ Mit Ausnahme der AfD vielleicht, die trotz Einladung als einzige der größeren Parteien ohne Begründung keinen ihrer Vertreter zu diesem Termin entsandte.

An fünf Tischen ließen sich Claudia Moll (SPD), Thomas Schlenter (CDU), Frank Schniske (FDP), Gabi Halili (Die Linke) und Lukas Benner (Grüne) zu Hauptthemen wie Bildung, Jugend, Innere und Äußere Sicherheit, Umwelt und Europafragen von den Jugendlichen löchern. Die wiederum hatten sich sehr gut auf dieses Treffen vorbereitet. So etwa Mouhina (19), die die Gelegenheit ergriff und „einfach gute Gespräche“ erwartete. Oder Dickson (18), der wissen wollte, „wie Politiker so ticken“. Hochinteressant gestaltete sich Tisch Nummer 5, mit der internen Bezeichnung „Der heiße Stuhl“.

Hier hatten die Polit-Profis die schwere Aufgabe, alle gestellten Fragen mit einem klaren „Ja“ oder „Nein“ zu beantworten. Es drehte sich unter anderem um Parteistandpunkte zu sozialem Frieden, zur Vermögenssteuer, zu Waffenexporten, den Türkeibeziehungen, zu legalen Drogen, der Digitalisierung oder dem bedingungslosen Grundeinkommen.

Es war schon spannend, zu beobachten, wie sich Politikerinnen und Politiker plötzlich seltsam unwohl fühlen, wenn ihnen die Chance zur ausschweifenden Argumentationskette verwehrt wird. Angela und Debby (beide 16) und ihre Kollegen genossen sichtlich ihre Interviewer-Position an Tisch Nummer 5, an dem die Befragten allein durch die unangenehme Frage-Technik an die Grenzen ihrer Glaubhaftigkeit gebracht wurden.

„Dieses Format baut Vorurteile ab“, ist Tümmeler überzeugt. „Außerhalb der Schule und in ungezwungener Atmosphäre entwickelt sich ein gegenseitiges Verständnis und Wertschätzung zwischen Politikern und Jugendlichen. Geprägt von Sozialen Medien und den Herausforderungen der Digitalisierung liegt die Interessenlage junger Wähler heutzutage anders, als es vor 20 Jahren vielleicht noch der Fall war. So funktioniert Partizipation.“

von Paul Santosi
Eschweiler Zeitung, 15.09.2017

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