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Solarenergie im Fokus

22. September 2018

Liberale Frauen besuchten das Solar-Institut Jülich

Liberale Frauen besuchen das Solar-Institut Jülich
Liberale Frauen zu Besuch im Solar-Institut Jülich. Fotos: Stefan Steins.

Jülich. Auf Einladung der Liberalen Frauen des Bezirksverbands Aachen besuchte eine Gruppe von 15 Liberalen am Donnerstag das Solar-Institut in Jülich (SIJ). In einer dreistündigen Exkursion lernte die Besuchergruppe in Fachvorträgen, Laborbesichtigungen und Modellansichten zukunftsweisende Forschungs- und Entwicklungsprojekte des Solarinstituts kennen.

Prof. Dr. Ulf Herrmann, der seit vier Jahren das Institut am Campus der Fachhochschule Aachen in Jülich leitet, referierte in seinem Vortrag zunächst über solarthermische Systeme, bei denen das Sonnenlicht direkt oder in konzentrierter Form absorbiert und als Prozesswärme bzw. zur Stromerzeugung genutzt wird. Letzteres wurde mit dem solarthermischen Versuchskraftwerk, auch als Solarturm Jülich (STJ) bekannt, im Jahre 2008 in Jülich realisiert. Es handelt sich um ein Demonstrationskraftwerk, bei dem über 2000 Spiegel die Energie des Sonnenlichts zuerst konzentrieren und dann mittels eines innovativen Keramikabsorbers an das Medium Luft bei ca. 700 °C abgeben. Das SIJ hat gemeinsam mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) als Betreiber exklusiven Zugang zu dieser in Deutschland einzigartigen Testanlage und verfügt damit über ein Alleinstellungsmerkmal innerhalb der Hochschullandschaft.

Weitere wichtige Arbeitsfelder des SIJ bilden u.a. effiziente Gebäudetechnik, Energiespeicher, intelligente Versorgungssysteme und die Verwendung poröser Strukturen, die Prof. Dr. Herrmann im weiteren Verlauf seines Vortrages genauer darstellte.

Jülich gilt heute als Mekka der Solarforschung. Angesichts der Energiewende dürfte die Bedeutung des Standortes weiter steigen. Technologien zur regenerativen Stromerzeugung haben sich längst auf dem Markt etabliert und ein interdisziplinäres Team aus 40 wissenschaftlichen Mitarbeitern arbeitet am SIJ kontinuierlich an deren Weiterentwicklung, wobei ein Hauptaugenmerk auf der Kostenreduktion liegt.

Heute werden 30 Prozent der Stromversorgung aus regenerativen Energiequellen gespeist, Tendenz steigend. Gleichwohl bleibt auch die Braunkohleverstromung in den nächsten Jahren eine wichtige Säule im Energiemix der Zukunft. Ulrich Göbbels, stv. Vorsitzender des Braunkohlenausschusses im Regionalrat Köln, warnt vor einem übereilten Ausstieg. Insbesondere bei Dunkelflaute ohne Wind und ohne Sonnenstrahlung, die meist im Januar auftritt, liefern die erneuerbaren Energien weniger als fünf Prozent des Strombedarfs.

Im Labor des SIJ arbeiten die Jülicher Forscher bereits an neuen Projekten: TESS 2.0 und I-TESS. Cristiano Teixeira Boura, Abteilungsleiter für Solarthermische Systeme, erläuterte die Funktionsweise eines thermischen Stromspeichers (TESS) anschaulich an einer Versuchsanlage. Quarzsand, bevorzugt aus der Wüste, wird bei diesem Verfahren als Speichermedium für Wärmeenergie genutzt. In einem Wärmeübertrager wird dabei die Wärme aus 700 °C heißer Luft an das Medium Sand für eine Wärmespeicherung bis zu zwei Wochen abgegeben. Das Projekt I-TESS verfolgt darüber hinaus die Idee, bestehende konventionelle Kraftwerke in neuartige thermische Stromspeicherkraftwerke umzurüsten und somit fit für die Energiewende zu machen.

Anschließend ging es in einen Versuchscontainer, der als Teststand u.a. zur Vermessung und Nachbehandlung von Abgassystemen für Dieselmotoren dient. Dort erklärte Dr. Markus Sauerborn die Funktionsweise von keramischen SCR-Mischern, bei denen Harnstoff in das Abgas eines Dieselmotors eingespritzt wird, um die Stickstoffoxide (N0x) zu reduzieren.

Die Vorsitzende der Liberalen Frauen im Bezirk Aachen, Andrea Wolff, bedankte sich im Namen aller Teilnehmer bei Herrn Prof. Dr. Herrmann für die informative und interessante Veranstaltung und wünschte dem Solar-Institut und seinen Mitarbeitern weiterhin viel Erfolg. (st)

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