FDP Kreisverband Aachen-Land

Suche...

Geld, Image, Infrastruktur verbessern

22. September 2018

VBE hat bei der Jahreshauptversammlung vier Politiker zur Podiumsdiskussion über den Lehrermangel eingeladen

VBE diskutiert mit vier Politikern über Lehrermangel
Bild: Moderator Robert Esser, Redakteur unserer Zeitung, diskutiert mit Frank Schniske, Stefan Behlau, Daniela Jansen, Tim Grüttemeier und Oliver Krischer (von links) über Möglichkeiten, den Lehrerberuf attraktiver zu machen. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Wenn der Verband Bildung und Erziehung (VBE) der Region Aachen zur Jahreshauptversammlung zusammenkommt, steht gewöhnlich etwas Humoriges auf der Tagesordnung. In diesem Jahr jedoch war den Mitgliedern angesichts des prekärer werdenden Lehrermangels nicht zum Lachen zumute.

Knapp zwei Drittel der Stellen hätten in den vergangenen Jahren in der Städteregion nicht durch ausgebildete Lehrkräfte besetzt werden können, beklagte Matthias Kürten, der Vorsitzende des VBE Region Aachen. Und er warnte: „Bis 2030 gehen landesweit rund ein Viertel der Lehrkräfte in den Ruhestand — in der Städteregion werden es sogar deutlich mehr sein.“

Statt also die Zeit mit Lachen zu verbringen, hat der Verband zur Hauptversammlung am Mittwochabend vier Politiker zur Podiumsdiskussion eingeladen. Daniela Jansen, Städteregionsratskandidatin der SPD, sah etwa in der unterschiedlichen Besoldung eine Ursache für den Lehrermangel insbesondere an Grundschulen und der Sekundarstufe I.

Diese verdienten rund 500 Euro weniger als ihre Kollegen, die Sekundarstufe II oder höher unterrichteten. Ebenso müsse die Ausbildung neuer Lehrkräfte verstärkt werden, so Jansen. Die aktuelle Kampagne der NRW-Landesregierung, mit Plakaten im Jugend-Slang junge Lehrkräfte zu werben, finde sie hingegen „semigut“.

„Infrastruktur des Kaiserreichs“

Der Grünen-Städteregionsratskandidat und Bundestagsabgeordnete Oliver Krischer betonte indes, dass für einen Imagewandel des Lehrerberufs auch Technische Hochschulen Studiengänge für alle Schulformen anbieten sollten. Parallel müssten aber auch Gebäude und Technik an den Schulen modernisiert werden: „In manchen Bereichen fahren wir noch auf der Infrastruktur des Kaiserreichs. Da bin ich auch von der Bundesregierung enttäuscht, die immer noch bremst und nicht in deren Ausbau investiert.“

Stolbergs Bürgermeister und CDU-Kandidat für das Amt des Städteregionsrats, Tim Grüttemeier, preschte hier mit dem Vorhaben vor, künftig jede Schule in der Städteregion an das Glasfasernetz anschließen zu wollen. Und er gab zu bedenken, dass Geld alleine das Problem maroder Gebäude nicht zu lösen vermöge. „In Stolberg wollen wir rund 35 Millionen Euro in neue Schul-Infrastruktur investieren, aber wir finden schlicht keine Architekten und Bauunternehmen, um das Geld auch auszugeben“, sagte er.

Dabei sei eine gute Arbeitsumgebung auch für Lehrkräfte in vielerlei Hinsicht wichtig, wie Frank Schniske betonte, selbst Lehrer und stellvertretendes Mitglied im städteregionalen Schulausschuss für die FDP. Schließlich verbringe man einen großen Teil seiner Lebenszeit am Arbeitsplatz, und da wirkten sich heruntergekommene Schulen nicht gerade förderlich auf die Attraktivität des Lehrerberufs aus.

Auf die Frage von Moderator Robert Esser, ob er angesichts der drei anderen Kandidaten nicht ebenfalls Ambitionen auf das Amt des Städteregionsrats entwickelt habe, antwortete er mit einem dieser Tage eher seltenen Bekenntnis: „Nein, ich bin von Herzen gerne Lehrer.“

Lehrpersonal: Städteregion hat keinen direkten Einfluss

Welche Möglichkeiten hat die Städteregion, eine ausreichende Unterrichtsversorgung an den Grund- und Förderschulen für die Zukunft sicherzustellen? Diese Frage haben CDU und Grüne im Schulausschuss gestellt.

Konkrete Antworten gab es an diesem Abend noch nicht, sie sollen von der Verwaltung in der nächsten Sitzung am 15. November nachgereicht werden.

Eines wurde aber schon deutlich: Weil die Verantwortung für das Lehrpersonal an Schulen beim Land liegt, hat die Städteregion keinerlei Entscheidungsbefugnis.

Aachener Zeitung, 22.09.2018
von Rolf Hohl

drucken

zurück

„Unsere Zukunft ist Europa – eine andere haben wir nicht.“
(Hans-Dietrich Genscher)