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Abschiedsrede für Helmut Etschenberg

17. Dezember 2018

Abschied von Helmut Etschenberg
Verabschiedung von Herrn Städteregionsrat Helmut Etschenberg im Krönungssaal.

Rede von Georg K. Helg

aus Anlass der Verabschiedung
von Städteregionsrat Helmut Etschenberg,

gehalten am 15. Dezember 2018 im Krönungssaal des Aachener Rathauses.

 

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, lieber Marcel Philipp
Sehr geehrter Herr Ministerpräsident, lieber Armin Laschet
Sehr geehrte Frau Regierungspräsidentin
Liebe Kolleginnen und Kollegen Mitglieder des Städteregionstages
Verehrte Festgäste

Sehr geehrter Herr Städteregionsrat
Lieber Helmut Etschenberg
Lieber Helmut

Du hast Dich für den Alterspräsidenten als neutrale Stimme des Städteregionstages für Deinen heutigen Abschied entschieden.

Selten habe ich mich so über mein Alter gefreut.

Bevor ich meine eigenen - sehr persönlichen Gedanken über Deine Persönlichkeit und Dein politisches Wirken äußere, verlese ich zwei Zitate von

Ulla Thönissen (CDU)

„Für mich ist er ‚Mister StädteRegion‘, ‚Mister Tihange‘ ist er sowieso aber die StädteRegion wurde in ihrer Aufbauphase doch maßgeblich von ihm geprägt. Sehr wichtig war, dass ich mit ihm über alles reden und ich mich absolut auf seine Vertraulichkeit verlassen konnte und insofern habe ich seine Verschwiegenheit und seine Orientierung an Problemlösungen ganz besonders geschätzt.“

Martin Peters (SPD) (nicht verlesen)

„Ich habe immer wertgeschätzt, dass bei aller Härte und Kontroverse in der politischen Auseinandersetzung der menschliche Anstand bei Helmut Etschenberg gewährleistet geblieben ist.“

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

außer bei Beerdigungen wird nirgendwo mehr gelogen als bei solchen Abschiedsfeiern - aber natürlich nicht von mir!

Was für ein Mensch ist Helmut Etschenberg und was bewundere ich an ihm?

Seine natürliche Noblesse - nicht nur unterstrichen von seiner untadeligen Eleganz in allen Lebenslagen.

Sein starker Charakter - der ihn auch Unfassliches gefasst ertragen lässt.

Sein diplomatisches Geschick - mit dem er selbst schwierigste Kontroversen aufzulösen versteht.

Seine Beharrlichkeit - Nicht nur wenn es um Tihange geht.

Seine leise Bestimmtheit, seine charmante Souveränität, seine Toleranz (mit der er auch zur FDP passen würde) und seine Kompromissfähigkeit mit der er Beschlüsse so lange umformuliert bis sogar SPD, Linke und Liberale zustimmen können - gelegentlich zumindest.

Seine wichtigste Eigenschaft, die ihn als Politiker so erfolgreich gemacht hat ist aber sein analytischer Blick auf das Ganze und seine daraus erwachsende Kreativität.

Wie kam er eigentlich in sein Amt?

Wie die Jungfrau zum Kinde - man kann auch sagen, es war eine Sturzgeburt. Zwei Tage vor der geplanten öffentlichen Vorstellung sagte der vorgesehene Kandidat der CDU, ein Bürgermeister aus einem Weiler im Nordkreis, per Fax ab und die Not war plötzlich groß.

Es war wohl Karl Meulenberg, der den entscheidenden Anstoß gab, denn schließlich war Etschenberg als Kreisdirektor wesentlich an den Vorarbeiten beteiligt gewesen.

Zum Überlegen blieb nicht viel Zeit und die Entscheidung war durchaus nicht leicht. Die größte Herausforderung war: Er hatte noch nie einen persönlichen Wahlkampf bestritten.

Schließlich lief dann doch alles glatt und am 30. August 2009 wurde er mit 40,1 Prozent der Stimmen gewählt und am 21. Oktober in sein neues Amt eingeführt.

Der Start dieses neuen Kunstgebildes „StädteRegion“ fiel alles andere als harmonisch aus. Trotz jahrelanger Vorarbeit in einem Zweckverband war eigentlich niemand so richtig innerlich auf dieses neue Konstrukt vorbereitet. Auch ein großer Teil der Bevölkerung hat es bis heute nicht verstanden:

Aachen ist sowohl kreisfrei wie auch regionsabhängig. Wer ist nun Chef? Der Oberbürgermeister oder der Städteregionsrat?

Quasi über Nacht brach die über Jahrzehnte liebevoll gepflegte aber inzwischen fast in Vergessenheit geratene Rivalität zwischen Kreis und Stadt wieder auf. Wie immer in solchen Fällen ging es ums Geld und speziell um die Finanzierung der freiwilligen Aufgaben. Und warum sind die so wichtig?

Sie sind das einzige Spielfeld das den kommunalen Mandatsträgern zu ihrer Profilierung geblieben ist.

Der Streit eskalierte nach zwei Jahren auf einem Städteregionstag im November 2011 so heftig, dass es nur noch zwei Möglichkeiten gab:

Entweder Aufgabe des Projektes und Rückkehr zu einem Zweckverband oder die beiden Verwaltungschefs finden einen gemeinsamen Weg aus der Krise.

Und diesen Weg haben Helmut Etschenberg und Marcel Philipp beschritten und letztlich auch gefunden. Am 13. Dezember 2012 konnte der Städteregionstag wie einen Tag vorher schon der Stadtrat, ein 15-Punkte-Papier verabschieden, mit dem nach drei Jahren alle Streitfragen beigelegt wurden.

Wenn eine bedeutende Persönlichkeit aus einem wichtigen Amt scheidet, stellt sich automatisch die Frage: Was bleibt?

Helmut Etschenbergs Einsatz für den Schutz unserer Bürger vor den Gefahren durch Tihange ist ohne Beispiel! Über 120 Städte und Gemeinden aus NRW, Rheinland-Pfalz, Luxemburg, den Niederlanden und sogar Belgien hat er zusammengeführt. Sobald die Aufmerksamkeit auch nur geringfügig nachließ hat er sie mit immer neuen Ideen wieder angefacht.

Eines hat er dabei auf jeden Fall erreicht: Eine nochmalige Laufzeitverlängerung ist heute selbst in Belgien kaum noch durchsetzbar.

Eine Herzensangelegenheit war ihm die Bildung. Das Aachener Bildungsbüro kam zur Städteregion und kümmert sich heute um die Bildungseinrichtungen aller zehn Kommunen. Es wurde ein voller Erfolg. Etwa 50.000 Kinder und 300.000 Jugendliche und junge Erwachsene werden jährlich betreut.

Zu diesem Thema gehört auch der herausragende Einsatz für die außerschulischen Bildungsorte Zinkhütter Hof in Stolberg, Energeticon in Alsdorf und vor allem Burg Vogelsang in der Eifel.

Nicht zu vergessen: Das KuK in Monschau. Ein Kunst- und Kulturzentrum das mit seinen Fotoausstellungen inzwischen Weltruf genießt.

Das Grenzlandtheater steht mit seinem Spielplan zwischen Boulevard und Klassik mit über 90 Prozent Auslastung in Deutschland mit an der Spitze.

Etschenbergs Blick ging auch über den Tellerrand hinaus in Richtung Düren: Das gemeinsame Straßenverkehrsamt war ein erster Schritt.

Ein weiterer ist das gemeinsame Gewerbeflächenkonzept Weisweiler/Inden. Hier war er bereits Vorreiter beim Kampf um die Strukturreform im Rheinischen Revier. Das gleiche gilt für die Entwicklung des Forschungsflughafens Merzbrück und dem Railport Stolberg.

Er hat auch dafür gesorgt, dass die Altkreis-Gemeinden ihren Personen-Nahverkehr als Direktvergabe der ASEAG übertrugen.

Ein weiteres seiner Lieblingskinder ist der Tourismus. Die großen Premium-Radwege, allen voran die mit den belgischen Nachbarn gemeinsam realisierte Vennbahn-Route ist das Aushängeschild mit einem absoluten Höhepunkt: Kalter-Etschenberg-herberg!

Schließlich ist der Zweckverband Region Aachen wesentlich von ihm initiiert und geprägt worden. Er soll den Lebensraum des alten Regierungsbezirks Aachen zusammenhalten und eine starke Stimme bei der Neustrukturierung des Rheinischen Reviers werden.

Sein jüngstes Kind: Die Regio-Tram soll in einigen Jahren den rund 60.000 Pendlern von Baesweiler über Eschweiler, Würselen und Merzbrück bis zum Aachener Bushof eine umweltfreundliche Alternative zum privaten PKW bieten.

Ein besonders wichtiger Baustein seines politischen Wirkens war die grenzüberschreitende Zusammenarbeit.

Mit vielen persönlichen Initiativen ist Helmut Etschenberg auf unsere Nachbarn zugegangen. Erst vor wenigen Tagen wurde er von der Deutschsprachigen Gemeinschaft Ostbelgiens als einer der Gründer der Europäischen Interessenvereinigung „Eupen-Ardennen-Marketing“ gefeiert.

Ein wichtiger Baustein ist auch der Ausbau der Bildungspartnerschaft mit unseren belgischen und niederländischen Nachbarn. Grenzüberschreitend lernen und arbeiten!

Helmut Etschenberg ist aber auch ein genialer Gastgeber und Menschenfänger.

Seine Neujahrsempfänge haben inzwischen Kultstatus.

Wer ihn aber einmal erlebt hat wie er nach dem Preis der Städteregion die interessantesten Persönlichkeiten der EUREGIO im CHIO-Zelt von Tisch zu Tisch gehend freihändig vorstellt und auf das herzlichste begrüßt, kann sehen wie man es machen muss um Unterstützer für seine Sache zu gewinnen.

Auch das wird mir fehlen!

Was bleibt auf der zukünftigen Agenda?

Die Zusammenlegung der Energieversorgung durch eine Fusion von ENWOR und STAWAG zu einer kommunalen Energiegesellschaft ist überfällig und geradezu eine Überlebensfrage für ENWOR.

Ein allgemeines Planungsrecht für unsere Städteregion, aber vor allem eine gemeinsame Verkehrsplanung sind dringend geboten!

Sehr geehrter Herr Städteregionsrat, lieber Helmut, ich darf Dir im Namen des Städteregionstages sagen, dass wir Dein vorzeitiges Ausscheiden aus dem Amt bedauern, es aber auch mit großem Respekt akzeptieren. Du hast in diesen neun Jahren außerordentliches geleistet, wofür Dir unser uneingeschränkter Dank gebührt. Du hast Dir um die Zusammenführung der zehn Kommunen zu einer gemeinsamen Region große Verdienste erworben. Diesen Erfolg kann Dir niemand nehmen - Du hast Maßstäbe gesetzt.

Lieber Helmut,

nach dem offiziellen Teil möchte ich jetzt zum persönlichen Teil meiner Würdigung übergehen. Und ich beginne mit dem Genius Loci, dem Krönungssaal, einem der historisch bedeutendsten Säle nördlich der Alpen aber vor allem dem bedeutendsten Saal unserer Region.

Dass Deine Verabschiedung an diesem Ort stattfindet hat eine symbolische Bedeutung: Heute endet auf Einladung des Oberbürgermeisters in dieser Halle Deine Amtszeit als Verwaltungschef der StädteRegion. Ein besserer Beweis für die inzwischen eingetretene Normalität der Zusammenarbeit beider Verwaltungen ist kaum denkbar. Damit betont die Stadt Aachen einerseits ihre Zugehörigkeit zur StädteRegion und diese wiederum bekennt sich zu Aachen als ihrem unstrittigen Oberzentrum.

Mich freut das sehr!

Lieber Helmut,

zum Schluss sei mir noch ein persönliches Wort gestattet. Dein Wunsch, dass ich heute hier über Dich sprechen sollte war nicht allein meinem Alter geschuldet. Er ist auch ein Beweis für Deine Art von Umgang mit der Politik - basierend auf gegenseitigem Respekt.

Diesen Respekt hatte ich auch immer Dir gegenüber, auch wenn ich das am Anfang nicht so gezeigt habe. Ich sah mich damals als Reinkarnation des Wehrhaften Schmieds, der mit einem rhetorischen Vorschlag-Hammer bewaffnet die Tore dieses Rathauses vor den aus Monschau anstürmenden Truppen des Eifelkaisers beschützen musste.

Ein entsprechender Satz in meiner ersten Haushaltsrede war allerdings so deftig, dass er mir von meinen Fraktionskollegen wegzensiert wurde. Als ich ihn dir später dann einmal zitierte hast Du herzlich darüber gelacht.

Aber trotz anfänglichen Streits über den Weg, über das Ziel waren wir uns immer einig. So hast Du mir schon nach 100 Tagen im Amt in der Aachener Zeitung das folgende, wenn auch leicht vergiftete, Kompliment gemacht:

„Zudem gibt es einzelne Persönlichkeiten, die das Bedürfnis haben, sich anhaltend zu artikulieren. Das muss kein Nachteil sein. Nehmen Sie Herrn Helg von der FDP. Er ist ein guter Werbefaktor für die Städteregion. Ob dazu auch all die Anträge gestellt werden müssen, muss jeder selber wissen.“

Während der neun Jahre sind wir immer öfter ins Gespräch gekommen. Ob auf Dienstreisen oder nach anstrengenden Sitzungen, wir fanden Zeit für einen Austausch. Es war dann an einem solchen Abend auf einer Terrasse in Brüssel als wir uns schließlich bewusst wurden, dass uns in vielerlei Hinsicht mehr verband als uns trennte. Meistens ging es um die Zukunft der Städteregion. Wir waren und sind uns einig, dass die heutige Form nur eine Übergangslösung sein kann, die für einen nachhaltigen Erfolg fortentwickelt werden muss.

Dir schwebt das Beispiel Berlin vor, ich träume vom Vorbild Hannover. In jedem Fall eine Stadtregion mit einer Gesamtverwaltung und weitgehend selbständigen Bezirken mit ihren eigenen Bürgermeistern.

Unsere Einigkeit auf diesem Gebiet haben wir auch einmal bei einer Abstimmung realisiert. Als im Städteregionsausschuss CDU und Grüne die Wiedereinführung des MON-Kennzeichen beantragten.

Das hatte zur Folge, dass die Städteregion ihr seit 1972 geltendes gemeinsames AC verlor. Dieser Antrag wurde angenommen - gegen zwei Stimmen - gegen Deine und meine!

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(Hans-Dietrich Genscher)