FDP Kreisverband Aachen-Land

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Betriebe haben oft ähnliche Probleme

24. August 2016

Das Handwerk vor Ort hat mit Fachkräftemangel, Bürokratie und auf dem Land mit schlechter Breitbandversorgung zu kämpfen

Ralph Bombis (FDP) zu Besuch in Eschweiler
Foto: Ralph Bombis (FDP) zu Besuch in Eschweiler: Der Sprecher der FDP-Landtagsfraktion ist auch Vorsitzender einer Enquete-Kommission im Landtag, die sich mit den Anliegen und Sorgen des Handwerks beschäftigt. Foto: K. Menne

Eschweiler. „Die Handwerksbetriebe sind das Rückgrat unserer Wirtschaft“, sagt Ralph Bombis. „Aber die Rahmenbedingungen für Handwerk und Mittelstand lassen zu wünschen übrig.“ Der Sprecher für Mittelstand und Handwerk der FDP-Landtagsfraktion schaute im Rahmen seiner Sommertour bei Parteikollegen und interessierten Bürgern in Eschweiler vorbei, um sich über die Situation des Handwerks vor Ort zu informieren.

Ihm sei der Austausch mit der Basis sehr wichtig, „um auch das richtige Leben mitzubekommen“, sagt er.

Ralph Bombis ist Vorsitzender einer von der FDP einberufenen Enquete-Kommission im Landtag, die sich jenseits des politischen Tagesgeschäfts mit den Anliegen und Sorgen des Handwerks beschäftigt. Enquete-Kommissionen sind überfraktionelle Arbeitsgruppen, die langfristige Fragestellungen zu bestimmten Themen lösen sollen. Jede Fraktion hat das Recht, pro Legislaturperiode ein Thema, das ihnen besonders wichtig erscheint, in einer solchen Arbeitsgruppe zu bearbeiten. Der Kommission seien drei Bereiche besonders wichtig, betont Bombis: die Verbesserung der Aus-, Fort- und Weiterbildung, die Digitalisierung und die Rahmenbedingungen für die Betriebe insgesamt.


„Die Rahmenbedingungen für Handwerk und Mittelstand lassen zu Wünschen übrig.“
Ralph Bombis, Sprecher für Mittelstand und Handwerk der FDP-Landtagsfraktion

Die Besucher bewegte schwerpunktmäßig die Situation der jungen Menschen und ihre Berufsfähigkeit sowie -findung. Frank Schniske, Lehrer am Berufskolleg Herzogenrath, fand deutliche Worte. „Die Landesregierung hat mit der Verkürzung der Bildungsgänge brachial versagt“, sagte er. „Überlasst uns die Schüler länger, anstatt nur immer neue Maßnahmen zu schaffen, die im Sande verlaufen.“

Werkunterricht an Schulen fehlt

Anke Göbbels vom Stadtverband der FDP Eschweiler bedauerte, dass es keinen Werkunterricht mehr an Schulen gebe und dadurch die Chance verbaut werde, handwerklich begabte Talente früh ausfindig zu machen und gezielt zu fördern. „Schulen sollen nicht nur beibringen, wie man Gedichte analysiert, sondern auch wie man einen Knopf annäht. Das ist lebensnäher“, sagte sie.

Ein weiterer Gast sagte, dass Schüler heute mit der einfachsten Mathematik überfordert seien. „Prozentrechnung, Dreisatz oder Überschlagsrechnungen sind denen ein Rätsel“, sagte er. Bombis gab zu bedenken, dass die Komplexität der Welt jedoch insgesamt gestiegen sei, man das Problem also nicht zu einseitig betrachten dürfe.

Er griff daraufhin das Thema Ausbildung auch direkt auf. „Meiner Meinung nach hat sich die Politik lange nicht in ausreichender Weise gekümmert“, sagte Bombis. Die Wege in die berufliche Ausbildung müssten mehr in den Fokus der Gesellschaft rücken und bei den Jugendlichen ein stärkeres Bewusstsein für den beruflichen Bildungsweg geschaffen werden. Es müsse klare Angebote in den Schulen – auch in den Gymnasien – geben, wie zum Beispiel ausreichend Praktika und Schnupperangebote, um Orientierung zu bieten und aufzuzeigen, was alles möglich ist. „Man darf nicht dem Zufall überlassen, ob Jugendliche den für sie besten Beruf finden“, sagte er. „Die Politik muss die Voraussetzungen schaffen, dass alle nach ihren individuellen Bedürfnissen und Begabungen die besten Bedingungen vorfinden.“ Dafür setze er sich in und mit der Kommission ein.

Finanzielles Missverhältnis

Ralph Bombis kritisierte auch, dass es ein finanzielles Missverhältnis gebe zwischen der Unterstützung der verschiedenen Ausbildungswege – das Studium werde viel stärker gefördert. Das sei nicht das richtige Signal, man müsse wieder eine Gleichwertigkeit herstellen.

Weiterhin berichtete er von den derzeit in der Kommission diskutierten Ideen, ein Berufsabitur einzuführen, ein freiwilliges Jahr im Handwerk sowie einen stärkeren Wettbewerb der Berufsschulen untereinander zu forcieren.

Bevor Bombis das Gespräch in Eschweiler suchte, hatte er bereits verschiedene Handwerksbetriebe der Region besucht, um sich ein Bild vor Ort zu machen. „Die Probleme der Betriebe berühren sich oft. Es geht um die Ausbildungsfähigkeit junger Menschen, um den Fachkräftemangel, um Bürokratiebelastung und auf dem Land oft um eine schlechte Breitbandversorgung“, sagt er. Die Digitalisierung schreite weiter voran und mache auch vor Handwerksbetrieben nicht halt, deshalb müsste überall die entsprechende Infrastruktur geschaffen werden, damit alle die gleichen Chancen haben.

von Katharina Menne
Eschweiler Zeitung, 24.08.2016

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