FDP Kreisverband Aachen-Land

Nordkreis: Voigt-Küppers und Pfeil im Landtag

15. Mai 2017

Wahlparty der Freien Demokraten im Goldenen Schwan in Aachen
Wahlparty der Freien Demokraten im Goldenen Schwan in Aachen mit dem frisch gewählten Landtagsabgeordneten, Dr. Werner Pfeil.

Nordkreis. Sicher ist, dass zwei Landtagsabgeordnete die Interessen der Bürger im Nordkreis im neuen Landtag vertreten werden. Eva-Maria Voigt-Küppers (SPD) aus Würselen holte zum dritten Mal in Folge das Direktmandat.

Dr. Werner Pfeil (FDP) aus Würselen zog über die Landesliste seiner Partei in den neuen Landtag ein. Ob Hendrik Schmitz (CDU) aus Baesweiler nach 2012 zum zweiten Mal den Sprung nach Düsseldorf schafft, stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest. Eva-Maria Voigt-Küppers sagte nach dem erneuten Erfolg im Nordkreis: „Ich bin echt geschafft. Das war ein Wechselbad der Gefühle. Erst diese niederschmetternde Prognose auf Landesebene, die sich bestätigte, aber dann der Erfolg im eigenen Wahlreis. Wir haben hier gegen den Landestrend gewonnen.“

Voigt-Küppers ist klar: „Die Menschen vor Ort haben gemerkt, das ich mich für sie eingesetzt habe. Und in Würselen kam noch der Schulz-Effekt hinzu.“ In Düsseldorf richte sie sich auf eine neue Rolle ein, wolle aber von der Oppositionsbank aus genauso konstruktiv Politik betreiben wie zuvor.

In Ruhe analysieren

Dr. Werner Pfeil hat allen Grund zu feiern, am Wahlabend im Goldenen Schwan in Aachen. Auf Platz 12 der Landesliste der FDP hat er den Einzug in den Landtag glatt geschafft. „Ich freue mich sehr, dass wir auf Landesebene ein so großartiges Ergebnis erzielt haben.“ Das habe an der Qualität des Spitzenkandidaten und des Wahlprogramms gelegen. Auch im Nordkreis habe er ein gutes Ergebnis erzielen können. Am Montagabend wird die nun neu formierte FDP-Fraktion erstmals zusammenkommen. Ob er allerdings die ihm besonders wichtigen Politikfelder Bildung, Wirtschaft und Verkehr von der Oppositionsbank oder doch in einer von ihm gewünschten schwarz-gelben Koalition beackern darf, sei abzuwarten.

„Wir haben gekämpft und alles gegeben. Wir haben bei den Erststimmen sehr gut aufgeholt. Das war schon gut. Aber am Ende hat es leider nicht gereicht, um den Wahlkreis direkt zu gewinnen“, sagt Hendrik Schmitz (CDU) am Wahlabend. Wochenlang hätten er und sein Team Haustürwahlkampf geführt und dabei sehr positive Rückmeldungen gesammelt. Woran es letztlich gefehlt oder gelegen habe, wolle er mit seinen Parteikollegen nun in aller Ruhe analysieren.

„Kraftlos weiterregieren“

Und was sagen die Direktkandidaten der kleinen Parteien? „In NRW wird kraftlos weiterregiert“, sagt Guido Hinz (ÖDP). Erneut wird seine Partei nicht in den Landtag einziehen. „Sehr ernüchternd“ sei das, so Hinz, zumal er sich persönlich sehr in den Wahlkampf reingehängt habe. Immerhin habe er in seinem Wahlkreis das Ergebnis versechsfachen können – liegt aber immer noch unter einem Prozent. „Wir werden unser Wahlergebnis aber noch genauer analysieren und überlegen, was wir in Zukunft ändern müssen.“

„Freude sieht anders aus“, sagt auch Kai Baumann (Piraten). Mit einem schlechten Wahlergebnis sei ja gemäß der Prognosen zu rechnen gewesen, aber dass man deutlich unter zwei Prozent geblieben sei, dann doch nicht. „Das ist echt schade.“ Rutsche man weiter ab, stünde die Parteienfinanzierung auf dem Spiel.

Ein kleiner Trost sei immerhin, dass überall dort, wo Piraten in Stadträten säßen, auch mehr Stimmen auf die Partei entfallen seien. „Das heißt schon, dass wir vor Ort positiv wahrgenommen werden“, findet Baumann. Aber: „Wir sind leider unserer Zeit voraus. Das Thema Trojaner, die beispielsweise derzeit Krankenhäuser lahmlegten, hätten die Piraten vor sechs Monaten in den Landtag eingebracht – ohne Folgen.

Er, Baumann, persönlich werde nun weiterhin im Herzogenrather Stadtrat Kommunalpolitik betreiben. „Politik ist kein Sprint, sondern ein Marathonlauf. Wir werden also versuchen, dort zu punkten, wo wir schon vertreten sind.“

Vanessa Heeß, Direktkandidatin der Linken, wird ebenfalls nicht in den Landtag einziehen – was keine Überraschung ist. Sie hatte keinen Listenplatz. „Aber man muss trotzdem an die Sache herangehen, als wenn man gewinnen könnte. Sonst kann man es gleich bleiben lassen.“ Für ihre Partei sei „das Spiel noch nicht vorbei“, sagt sie am Abend. Das werde eine lange Nacht. „Ich glaube, wir schaffen die fünf Prozent noch.“ Bei den Zweitstimmen hätte ihre Partei prozentual immerhin eine Verdopplung erzielt, wie sich am frühen Abend abzeichnete.

Für Eva Maria Malecha, Direktkandidaten der Grünen, heißt es jetzt erst einmal: In die Masterarbeit stürzen und weiter Kommunalpolitik. Mit Listenplatz 37 schafft sie es nicht in den Landtag. „Aber positiv vermerken kann man doch, dass ich beispielsweise in Würselen mehr Erst- als Zweitstimmen geholt habe. Das heißt, dass ich nicht alles falsch gemacht haben kann.“ Sie hoffe, bei der nächsten Landtagswahl einen besseren Listenplatz zu bekommen. Das aktuelle Gesamtergebnis sei für die Grünen natürlich sehr ernüchternd, sagt Malecha.

von Karl Stüber und Verena Müller
Aachener Zeitung, 15.05.2017

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