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Gebauer: Wir stehen vor einem bildungspolitischen Scherbenhaufen

15. März 2017

FDP-Stadtverband Eschweiler und Liberale Frauen Aachen-Land haben zum Thema „Bildung und Schule“ eingeladen.

NRW braucht einen Bildungsspung!
Diskutierten in Eschweiler intensiv über Bildungspolitik: Peter Silbernagel vom Philologenverband NRW, Marianne Schardt vom Verband Sonderpädagogik, Yvonne Gebauer, Landtagsabgeordnete der FDP sowie Anke Göbbels und Dr. Werner Pfeil, beide Landtagskandidaten der FDP aus den Kreisverband Aachen-Land (v. l.). Foto: Stefan Steins

Eschweiler. „Vielleicht brauchen wir bald größere Säle“, begrüßte Christian Braune als Vorsitzender des FDP-Stadtverbands am Donnerstagabend die rund 30 Gäste, die zum Bildungstalk „NRW braucht einen Bildungsspung!“ in das Haus Lersch nach Eschweiler gekommen waren.

Dagmar Göbbels, Organisatorin und Kreisvorsitzende der Liberalen Frauen, freute sich ebenfalls über die vielen Teilnehmer, die zuvor noch nie bei einer Veranstaltung der FDP dabei waren.

Nach kurzen Einführungsstatements von Yvonne Gebauer, der Sprecherin der FDP-Landtagsfraktion für Schule und Weiterbildung, Peter Silbernagel, Vorsitzender des Philologenverbandes NRW und Marianne Schardt, ehemalige Schulleiterin der Pestalozzischule in Erkelenz und amtierende Bundesgeschäftsführerin des Verbandes Sonderpädagogik, begann eine lebhafte Diskussion unter den Gästen, Politikern und geladenen Fachleuten.

Inklusion

Hierbei zeigten die Anwesenden gleich zu Beginn der Veranstaltung ein besonderes Interesse beim Thema der schulischen Inklusion. „Da wird die Inklusion per Gesetz verordnet und nach sechs Jahren Rot-Grün stehen wir vor einem bildungspolitischen Scherbenhaufen“, so Gebauer. Dabei haben wir ein so großartiges Schulsystem mit allen nur denkbaren Schulformen. Yvonne Gebauer fragte sodann, wie man den Lern- und Förderbedürfnissen aller Schüler gerecht werden könne, wenn sich diese in einem breiten Spektrum zwischen Hochbegabung und geistiger Behinderung bewegen. „Anstatt vernünftige Konzepte zu entwickeln, spielt Ideologie wieder die große Rolle - die Schulpolitik von Ministerin Löhrmann hat hier komplett versagt“, kritisierte die Freidemokratin.

Marianne Schardt machte im Laufe der Diskussion klar, dass es keine Alternativen zur sinnvollen Inklusion gäbe, bedauerte aber, dass in NRW die Inklusion zu Lasten des ehemals sehr gut ausgebauten Sonderschulsystems gehe. „Umso tragischer, dass viele Kommunen aufgrund der aktuellen Gesetzgebung ihre Förderschulen geschlossen, verkleinert oder zusammengelegt haben.“

Die UN-Konvention schreibt vor, dass Kinder nicht aufgrund von Behinderung von den allgemeinen Bildungssystemen ausgeschlossen werden dürfen und ein Recht auf eine qualifizierte und kostenlose Bildung in Primar- und Sekundarstufe haben. Dieses Recht sei in Deutschland seit vielen Jahren gewährleistet, da auch die Förderschulen ebenso zu unserem allgemeinen Bildungssystem gehören, wie die Regelschulen. In diesen Schulen gehe es darum, in kleinen Lerngruppen jedem Kind mit seinen eigenen individuellen Bedürfnissen und mit seinen eigenen individuellen Behinderungen gerecht zu werden – es auf seinen, den eigenen Fähigkeiten, Möglichkeiten aber auch Schwierigkeiten angepassten Weg zu leiten und zu begleiten. Eine solche Schule erfordere aufgrund kleinerer Klassen mehr Personal und vor allem zusätzlich speziell ausgebildetes Personal, welches nicht nur Lehrstoff vermitteln sondern ebenso therapeutisch auf jedes einzelne Kind eingehen müsse.

Hochbegabte

„Während sich die Schulpolitik immer nur um die Schwächeren kümmert, werden leistungsstarke Schülerinnen und Schüler vernachlässigt. Hier muss ein Umdenken stattfinden“ pflichtete Yvonne Gebauer dem Einwand einer Lehrerin zu, die darauf hinwies, dass die Förderung hochbegabter Schüler nicht vergessen werden dürfe. Die heutigen Schulklassen seien viel zu groß, ein ordentlicher Face-to-Face-Unterricht sei nur bis zu einer Klassenstärke von ca. 20 - 25 Schüler möglich, so die junge Lehrerin.

Peter Silbernagel stieß mit seiner Äußerung in die gleiche Kerbe, wonach es geboten sei, Unterricht derart zu gestalten, dass alle Fächer ausreichend gelehrt werden können. Den Einwand eines Besuchers, Schüler besser auf das Leben vorzubereiten und den Lehrplan entsprechend auf moderne Lehrmittel umzustellen, die den geänderten Lebens- und Lernmethoden gerecht werden, wollten weder Peter Silbernagel noch Yvonne Gebauer so stehen lassen.

Der Schule obliege die Vermittlung eines guten Allgemeinwissens, dazu gehören alle Fächer, also auch Geschichte und die klassischen MINT-Fächer, so Peter Silbernagel. Yvonne Gebauer ergänzte, dass man die Eltern nicht aus ihrer allgemeinen Erziehungspflicht entlassen dürfe. „Früher hat die Oma das Kochen beigebracht, heute gibt es für alles ein Youtube-Video“, hieß es aus dem Publikum.

Berufskolleg

„Lebenslanges Lernen muss eine Selbstverständlichkeit werden und allen Interessierten möglich sein“ gab Christian Braune zu Bedenken.

Einige Besucher gingen konkret auf Probleme bei den Berufskollegs ein, die der Bundestagskandidat der Freien Demokraten für den Kreis Aachen-Land, Frank Schniske, aufgriff. Der Berufsschullehrer verwies hierbei auf die wichtige Rolle der Berufskollegs bei der Berufsvorbereitung. „Die Landesregierung tut zu wenig für diese Schulform, lieber werden Lieblingsprojekte wie Sekundarschulen und die Gesamtschulen gefördert“. Dem stimmte auch Yvonne Gebauer zu und versprach, sich stärker für die Belange der Berufskollegs einsetzen zu wollen, wenn die rot-grüne Landesregierung am 14. Mai abgewählt wird.

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