KI braucht mehr als kluge Algorithmen
10. Juli 2026
Beim „Schlaglichter KI-Talk“ der FDP-Landtagsfraktion ging es um die Infrastruktur, die Nordrhein-Westfalen zum führenden KI-Standort machen kann
Düsseldorf. Gute Ideen allein reichen nicht: Wer KI in Nordrhein-Westfalen entwickeln, anbieten und einsetzen will, braucht Rechenleistung, Cloud-Kapazitäten, sichere Datenräume, digitale Netze, verlässliche Energie, Fachkräfte – und vor allem schnelle Verfahren.
Beim digitalen „Schlaglichter KI-Talk“ der FDP-Landtagsfraktion NRW diskutierte darüber Franziska Müller-Rech, stellvertretende Fraktionsvorsitzende und Vorsitzende der Enquetekommission KI, mit Felix Dinnessen, Partner in Engineering, AI & Data und Lead für Government & Public Services bei Deloitte. Sein Befund beim Gespräch unter dem Titel „KI-Infrastruktur und Wertschöpfungsketten – Was NRW für die KI-Zukunft braucht“: KI ist nicht nur eine Softwarefrage. KI ist Infrastrukturpolitik und damit eine Standortfrage für Nordrhein-Westfalen.
KI in NRW: Vom Rechenzentrum zur Wertschöpfungskette
Grundsätzlich bringt Nordrhein-Westfalen starke Voraussetzungen mit: industrielle Breite, einen starken Mittelstand, Forschung auf hohem Niveau, Start-ups, Erfahrung in Energie, Produktion, Logistik, Gesundheitswirtschaft und Verwaltung. Gleichzeitig steigt der Druck: durch hohe Energiepreise, Fachkräftemangel, marode Infrastruktur, lange Verfahren, Bürokratie und eine hohe Steuerlast.
Gerade deshalb kann Künstliche Intelligenz zu einer Jahrhundertchance werden. Doch dafür reichen einzelne Anwendungen oder neue Rechenzentren alleine nicht aus. Es braucht ein vollständiges Ökosystem, so Dinnessen: NRW dürfe KI nicht nur anwenden. Die ganze Infrastruktur müsse so gebaut sein, dass sie Unternehmen stärkt, Innovation beschleunigt und Wertschöpfung im Land hält.
NRW muss nicht das Silicon Valley kopieren
Dafür muss NRW nicht das Silicon Valley nachbauen. Viele KI-Anwendungen werden nicht zwingend über riesige Basismodelle laufen, sondern über spezialisierte Lösungen: etwa für Predictive Maintenance, Anlagensteuerung, Energienetze, Logistik, Produktion, Gesundheitswirtschaft oder Verwaltung. Auch kleine und mittlere Unternehmen brauchen deshalb Zugang zu Rechenleistung, Beratung und verlässlichen Standards. Denn eine zentrale Hürde bleibt für viele Unternehmen der sichere Datenzugang. Hier können unter anderem souveräne Cloud-Ansätze helfen. Wichtiger Ankerkunde für solche Lösungen kann dabei der Staat selbst sein, sofern er innovative, souveränen KI- und Cloud-Lösungen selbst kompetent nutzt. Verwaltung muss KI dort einsetzen können, wo sie Prozesse beschleunigt, Beschäftigte entlastet und bessere Leistungen für Bürgerinnen und Bürger ermöglicht.
Tempo und Offenheit für moderne Infrastruktur
Der Schlüssel liegt in der Politik: Ohne Netzanschlüsse, Genehmigungen, Datenzugang und Fachkräfte bleibt KI ein Versprechen. Stattdessen nötig: Offenheit, sichere Datenräume, moderne Beschaffung, schnellere Verfahren. Fraktionsvize Müller-Rech: „Die KI-Zukunft Nordrhein-Westfalens entscheidet sich nicht allein daran, wo das nächste Rechenzentrum entsteht. Entscheidend ist, ob daraus Wertschöpfungsketten entstehen, die Arbeitsplätze schaffen, Unternehmen stärken, Verwaltung modernisieren und NRW als digitalen Innovationsstandort nach vorne bringen.“




