Unerwartete Spannung auf dem Bundesparteitag
31. Mai 2026
Kurzfristige Kampfkandidatur von Marie-Agnes Strack-Zimmermann sorgte für intensive Debatten und emotionale Momente auf dem FDP-Bundesparteitag

Gute Stimmung beim Bundesparteitag in Berlin: Die Delegierten des FDP-Kreisverbands Aachen-Land Christoph Pontzen, Björn Bock, Fabian Schäfer und Ricky Schömer (v. l. n. r.) zeigen sich optimistisch für die Zukunft der Partei.
von Christoph Pontzen
Berlin. Am diesjährigen ordentlichen Bundesparteitag der FDP am 30. und 31. Mai 2026 in Berlin nahmen für unseren Kreisverband Björn Bock, Fabian Schäfer (für Pino Marinotti, JuLis), Ricky Schömer (für Natalie Stercken) und ich teil.
Der Bundesparteitag stand nahezu vollständig im Zeichen der personellen Neuaufstellung der Bundespartei. Für eine große Überraschung sorgte die Kampfkandidatur um den Bundesvorsitz zwischen Wolfgang Kubicki und Marie-Agnes Strack-Zimmermann. Letztere war von Joachim Stamp vorgeschlagen worden, legte 33 Unterstützungsunterschriften vor und hielt eine einstündige Bewerbungsrede.
Die Stimmung im Saal war entsprechend angespannt und emotional. Inhaltlich ging es insbesondere um die Frage, inwieweit populistische Elemente für den Erfolg der Partei notwendig sind und wie deutlich sich die FDP von der AfD abgrenzen sollte. Daneben wurden auch sehr persönliche Themen diskutiert, etwa der Umgang mit Beleidigungen und strafrechtlichen Konsequenzen. Am Ende setzte sich Wolfgang Kubicki mit 59 Prozent der Stimmen durch.
Anschließend überzeugte unser Landesvorsitzender Henning Höne mit einer rhetorisch starken Rede und wurde mit 71 Prozent zum stellvertretenden Bundesvorsitzenden gewählt. Ebenso stark war der Auftritt der Europaabgeordneten Svenja Hahn, die mit 72 Prozent zur stellvertretenden Bundesvorsitzenden gewählt wurde. Martin Hagen erhielt als neuer Generalsekretär 59 Prozent der Stimmen.
Die vollständigen Wahlergebnisse sind unter folgendem Link abrufbar:
Besonders groß war das Interesse an den Beisitzerposten im Bundesvorstand. Für die 18 Plätze kandidierten mehr als 40 Bewerberinnen und Bewerber. Voraussetzung für eine Kandidatur war entweder die Nominierung durch einen Landesverband oder die Unterstützung von mindestens 25 Delegierten.
Persönlicher Kommentar
Kampfkandidaturen sind grundsätzlich zu begrüßen, wenn sie offen, transparent und fair geführt werden. Vor diesem Hintergrund hätte ich es für richtig gehalten, wenn Marie-Agnes Strack-Zimmermann ihre Kandidatur bereits zwei Wochen vor dem Parteitag oder zumindest am Vortag, als auch der Bundesvorstand tagte, angekündigt hätte. Spontan aufzustehen und anschließend eine vorbereitete, einstündige Bewerbungsrede zu halten, die zeitweise wie eine Generalabrechnung wirkte, halte ich für den falschen Weg.
Die überregionalen Medien haben die unterschiedlichen Positionen ausführlich analysiert. Letztlich bleibt jedoch festzuhalten, dass die Liberalen in den wesentlichen Fragen einig sind. Die Differenzen betreffen überwiegend Nuancen und unterschiedliche politische Akzentsetzungen. Diese Vielfalt an Strömungen gehört zu einer lebendigen Partei und ist aus meiner Sicht ausdrücklich positiv.
Bedauerlich ist, dass die inhaltliche Arbeit erneut zu kurz gekommen ist. Die zahlreichen Wahlen mit Vorstellungsreden, Fragerunden und Abstimmungen nahmen einen Großteil der verfügbaren Zeit in Anspruch. Für die Zukunft sollte die Partei daher prüfen, einen dreitägigen Bundesparteitag durchzuführen, um programmatischen Debatten und inhaltlichen Diskussionen mehr Raum zu geben.




